Frühzeitig ins Gespräch kommen: ÜbergangsWeise bei der Changemaker 50+ Online-Konferenz

Den Übergang in den Ruhestand aktiv gestalten: Bei der Changemaker 50+ gaben ÜbergangsWeise und die EDG Einblicke in Zukunftsgespräche.

Wie können Unternehmen und Beschäftigte die letzten Berufsjahre aktiv gestalten und den Übergang in den Ruhestand frühzeitig vorbereiten? Bei der von Stefan Robiné moderierten Session auf der Online-Konferenz Changemaker 50+ des ddn Hamburg gaben der INQA-Experimentierraum ÜbergangsWeise und sein Praxispartner „EDG Entsorgung Dortmund GmbH“ Einblicke in erste Erkenntnisse und Praxiserfahrungen mit den sogenannten Zukunftsgesprächen.

Wenn der Ruhestand im Unternehmen kaum Thema ist

Wie lange Menschen arbeiten möchten, hängt von weit mehr ab als ihrer Gesundheit. Das zeigte Dr. Melanie Ebener vom Lehrstuhl Arbeitswissenschaft der Bergischen Universität Wuppertal bei der Changemaker 50+. Auf Basis der lidA-Studie „Leben in der Arbeit“ verdeutlichte sie, dass nur zehn Prozent der befragten 53- bis 59-Jährigen bis zur Regelaltersgrenze arbeiten möchten. Auch das soziale Umfeld beeinflusst die Entscheidung für einen früheren oder späteren Renteneintritt deutlich.

Die Ergebnisse machen deutlich: Unternehmen sollten den Übergang in den Ruhestand nicht erst kurz vor dem Austritt thematisieren. Genau hier setzt ÜbergangsWeise mit seinen Zukunftsgesprächen an.

Zukunftsgespräche schaffen Raum für gemeinsame Planung

Das Projekt entwickelt ein Angebot für regelmäßige Zukunftsgespräche zwischen Beschäftigten 55+ und Führungskräften. Ziel ist es, die letzten Berufsjahre und den Übergang in den Ruhestand gemeinsam, vorausschauend und bedarfsorientiert zu gestalten.

Dabei handelt es sich nicht um ein Leistungs-, Problem- oder Ausstiegsgespräch. Vielmehr stehen Wünsche, Perspektiven und mögliche Veränderungen im Mittelpunkt. Je nach Unternehmen können die Zukunftsgespräche als eigenes Format oder als Ergänzung bestehender Mitarbeitendengespräche umgesetzt werden.

Ein Leitfaden unterstützt beide Seiten bei der Vorbereitung und fördert einen offenen Austausch auf Augenhöhe. Erste Rückmeldungen zeigen: Beschäftigte und Führungskräfte schätzen die Möglichkeit, ein bislang oft tabuisiertes Thema frühzeitig anzusprechen.

Erfahrungen aus der Praxis bei der EDG

Wie Zukunftsgespräche in einem Unternehmen eingesetzt werden können, erläuterte Oliver Mühlmann, Leiter Personal der Dortmunder Entsorgungsgesellschaft EDG. Die Organisation ist Praxispartner im Projekt ÜbergangsWeise. Viele Beschäftigte arbeiten dort in körperlich anspruchsvollen Bereichen wie der Abfallentsorgung, der Straßenreinigung und dem Winterdienst.

In den kommenden zehn Jahren erreichen nach Angaben der EDG 320 von insgesamt 1.800 Beschäftigten das Regelrentenalter, teilweise bis zu 40 Personen pro Jahr. Damit wird der bevorstehende Austritt zahlreicher Beschäftigter für das Unternehmen zu einer konkreten strategischen Herausforderung.

Die EDG hat deshalb ein Feedback- und Perspektivengespräch entwickelt, das Beschäftigte und Vorgesetzte frühzeitig miteinander ins Gespräch bringt. Die Inhalte der Zukunftsgespräche werden als zusätzlicher Baustein integriert. Der Leitfaden von ÜbergangsWeise dient zunächst als Grundlage für ein Gespräch mit der Führungskraft. Anschließend wird gemeinsam mit Personalentwicklung und betrieblichem Gesundheitsmanagement betrachtet, welche Bedarfe bestehen und welche Wünsche die Beschäftigten haben.

Mögliche Maßnahmen reichen von der Anpassung des Arbeitsplatzes über Angebote zur Gesunderhaltung bis zur Weiterqualifizierung oder zum Wissenstransfer. Ziel ist es, konkrete Verabredungen zu treffen und beiden Seiten mehr Planungssicherheit zu geben. Führungskräfte werden bei der EDG zudem für den Umgang mit diesen Gesprächen geschult.

Unterschiedliche Unternehmen, andere Schwerpunkte

Die Erfahrungen im Projekt zeigen, dass die Anforderungen je nach Branche und Tätigkeit unterschiedlich ausfallen. Während in körperlich anspruchsvollen Berufen die Gesunderhaltung besonders wichtig sein kann, rückt in anderen Unternehmen möglicherweise der Wissenstransfer stärker in den Mittelpunkt. Im Projekt arbeiten Unternehmen aus Handwerk, Mittelstand und öffentlichem Dienst zusammen.

Gerade diese Bandbreite macht deutlich: Für den Übergang in den Ruhestand gibt es keine Standardlösung. Entscheidend ist, frühzeitig miteinander zu sprechen und gemeinsam passende Perspektiven zu entwickeln.

Den Leitfaden gemeinsam weiterentwickeln

Im nächsten Arbeitsschritt des Projekts werden Personen befragt, die bereits Zukunftsgespräche geführt haben. Ihre Erfahrungen fließen in die Weiterentwicklung des Leitfadens ein und helfen dabei, ihn noch genauer auf die betriebliche Praxis auszurichten. Langfristig soll das Format dazu beitragen, Zukunftsgespräche in Unternehmen zu etablieren und die Wahrnehmung des Übergangs in den Ruhestand zu verändern. 

Die Session bei der Changemaker 50+ zeigte: Wenn Unternehmen und Beschäftigte rechtzeitig offen über die kommenden Berufsjahre sprechen, entstehen Klarheit, Gestaltungsspielräume und eine bessere Grundlage für gemeinsame Entscheidungen. Zukunftsgespräche machen den Übergang planbar, bevor dringender Handlungsbedarf entsteht.

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